Chronik

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140 JAHRE SCHÜTZENVEREIN RECHBERG-ROTHENLÖWEN ETTRINGEN e.V.

FESTSCHRIFT UND CHRONIK

Anlässlich unseres 140-jährigen Vereinsjubiläums wollen wir einen zusammenfassenden Rückblick auf all die vergangenen Ereignisse werfen, die unser Verein, wohlgemerkt der älteste in Ettringen, in seiner langjährigen Geschichte durchlaufen hat.

Schon unsere germanischen Vorfahren hatten Freude am Umgang mit Waffen, nicht nur zu kriegerischen Zwecken, sondern auch im Spiel, das wir heute einen beliebten Volkssport nennen dürfen.

Mit der Erfindung des Schießpulvers durch den Franziskanermönch Berthold Schwarz um das Jahr 1300 war auch die Schusswaffe geboren. Allerdings waren dies damals noch unhandliche Vorderlader und Kanonen, bei denen das sog. Schwarzpulver durch den Lauf eingeführt werden musste und durch eine Lunte oder einen Feuerstein zur Entzündung gebracht wurde.

 Zum Schutze ihrer Städte bewaffneten sich auch die Bürger mit Feuerwaffen, und so entstanden überwiegend im Revolutionsjahr 1848 die so genannten Bürgerwehren, die wir als Vorläufer unserer Schützenvereine ansehen dürfen.

Als dann in den 60er Jahren durch die Preußen das Zündnadelgewehr erfunden wurde und im Krieg 1866 erstmals seine verheerende Wirkung zeigte, bemühte sich auch das bayerische Königshaus, die Handhabung der neuen Waffen im Volke bekannt zu machen. Das sportliche Schießwesen wurde stark gefördert, und so entstanden in den Städten und Dörfern Schützengilden und Schützengesellschaften.

Im Zuge dieser schießsportlichen Entwicklung kam es im Jahre 1868 auch hier in Ettringen zur Gründung der „Zimmerstutzengesellschaft Ettringen 1868“. Leider gibt es dafür keine urkundlichen Unterlagen, so  dass wir nur aus mündlicher Überlieferung berichten können.

Danach fanden sich 1868 einige Männer aus dem Dorf und Gut Ost-Ettringen zusammen und beschlossen, dem zu jener Zeit aufblühenden Sportschießen einen gesellschaftlichen Rahmen zu geben. Unter der Führung des damaligen Bürgermeisters Alois Müller und seines Bruders Hieronymus Müller schlossen sich die Freunde des Schießsports zusammen. Mit dabei waren der damalige Brauereipächter Spiegeler, die Belegschaft des Gutshofes, Franz Staimer sen., der Flusswärter Konrad Keller und die Landwirte Xaver Götzfried, Maierbauer, Josef Zech und Vinzenz Keller. Dem friedlichen Wettbewerb waren jedoch nur zwei Jahre gegönnt, dann setzte der Krieg 1870/71 dem Vereinsleben ein jähes Ende.

Aber danach blühte der Schießsport auch in Ettringen wieder auf. Nach der Einführung des Zündhütchens wurde alsbald der Zimmerstutzen eingeführt und so wurde im Jahre 1904 die Örtlichkeit in die von 1. Schützenmeister Franz Staimer erworbene Adlerwirtschaft verlegt.

In der nun folgenden ruhigen und glücklichen Friedenszeit nahm der Verein einen großen Aufschwung, so dass der Mitgliederstand bis 1912 auf 70 Mitglieder anstieg.

Im Jahre 1912 wurde in der neu erbauten Bahnhofsgaststätte dann eine Schwesterngesellschaft, die sich „Freischütz“ nannte, gegründet. Schützenmeister dieses jungen Vereines war Josef Lang sen. Beide Vereine betrieben keinen Konkurrenzkampf, sondern gestalteten das Vereinsleben in beiderseitigem Einvernehmen.

Nach 43 Friedensjahren unterbrach der erste Weltkrieg 1914/18 auch den friedlichen Wettstreit dieser beiden Vereine. Aber schon 1919 wurde die Vereinsarbeit wieder aufgenommen.

Das Jahr 1926 war für beide Vereine eine recht ereignisreiche Zeit. Schützenmeister Franz Staimer sen., vormals auch Buchhalter auf dem Gut, war es zu verdanken, dass seine Erlaucht, Josef Graf Rechberg von Rothenlöwen, das Protektorat des Vereines übernahm. Er wurde auf den Namen „Schützengesellschaft Rechberg-Rothenlöwen“ getauft und die Namensgebung mit einem Tauf-Preisschießen besiegelt, wozu der Graf persönlich eine Tauf-Ehrenscheibe mit dem gräflichen Wappen gestiftet hatte. In den Monaten Mai/Juni hielt die Schützengesellschaft Freischütz das Gauschießen des Schützengaues Türkheim im Garten der Bahnhofsrestauration ab. Nach einigem Hin und Her einigte man sich noch im gleichen Jahr, die beiden Vereine zusammenzulegen und unter dem Namen „Schützengesellschaft Rechberg-Rothenlöwen Ettringen“ zu führen. Am Tage des Zusammenschlusses, am 18.11.1926, zählte der Verein 100 Mitglieder. Zugleich einigte man sich auf die Verteilung der Ämter, wie folgt: Ehrenschützenmeister Staimer Franz sen., Vorstand Lang Josef, und Schützenmeister Xaver Kraus.

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Zu einem großen Ereignis für den Verein und das ganze Dorf wurde das Jubiläumsschießen 1928 anlässlich des 60-jährigen Gründungsjubiläums, das unter dem Protektorat seiner Erlaucht Graf Rechberg-Rothenlöwen vom 4. bis 15. August abgehalten wurde. Vereins-Herbergsvater Josef Müller hatte von der Brauerei Riegele in Augsburg ein Festzelt besorgt, die Musikkapelle Ettringen sorgte für Unterhaltung. Außer 260 Ehrengaben lockten Geldpreise von zusammen 4200 Reichsmark auf verschiedenen Scheiben wie Fest-, Punkt-, Glück-, Haupt- und Meisterscheibe. Interessehalber sei hier vermerkt, dass damals auf Ersuchen der Vereinsleitung auch der ehemalige deutsche Kaiser Wilhelm II. eine Ehrengabe mit freundlicher Widmung nach Ettringen sandte. Die Festwoche brachte auch einen großen finanziellen Erfolg, der die Beschaffung von Gewehren ermöglichte und auch sonst dem Verein eine freiere Bewegung erlaubte.

Mit Beginn des dritten Reiches wurde auch unsere Schützengesellschaft durch die Nationalsozialisten gleichgeschaltet. Die folgenden Jahre blieben ohne größere Veranstaltungen, der Verein beteiligte sich an verschiedenen auswärtigen Preisschießen und bewarb sich erst 1939 um das Gauschießen, das in Ettringen zur Zufriedenheit aller teilnehmenden Vereine durchgeführt wurde.

Niemand ahnte, dass es das letzte auf viele Jahre hinaus sein sollte. Durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, mit seinem atemberaubenden Verlauf und schließlich durch die Katastrophe von 1945 hatte jede Vereinstätigkeit aufgehört. Ganz Deutschland war unter die Gewalt der siegreichen Besatzungsmächte gekommen, die eine rigorose Entwaffnung aller Deutschen durchführten, die aber lächerliche Formen annahm. Sowohl alte Museumsstücke von Waffen als auch unsere Zimmerstutzen mussten abgeliefert werden.

An eine Ausübung des Schießsports war jetzt lange Zeit nicht mehr zu denken. Erst nach Gründung der BRD 1949 begann sich die Überzeugung wieder durchzusetzen, dass der Schießsport mit Krieg absolut nichts zu tun hat. So konnte sich auch der Ettringer Schützenverein neu orientieren und nahm 1951 an der ersten Gauversammlung in Türkheim teil. Da sich sonst kein Verein bereit erklärte, übernahm Schützenmeister Franz Staimer jun.  für Ettringen die Durchführung des ersten Nachkriegs-Gauschießens, das wieder ein großer Erfolg wurde.

Als 1958 das 90-jährige Gründungsjubiläum herankam, gestaltete der neue Schützenmeister Hubert Lang, ein offenes Schießen, an dem wieder das ganze Dorf in einer Festwoche mit Festzelt teilnehmen konnte.

Bei wachsendem Mitgliederstand war auch eine beachtliche Leistungssteigerung zu beobachten, so dass der Verein eine gute Meistermannschaft stellen konnte. Geschossen wurde jedes Wochenende abwechselnd in den Gastwirtschaften Rest, Krone und Adler. Vom Gau wurden die Rundenwettkämpfe eingeführt, so begann die allmähliche Ablösung des geselligen und gemütlichen Schießbetriebes durch den Leistungssport. 

Nun begannen die Vorbereitungen zur Feier des 100-jährigen Vereinsjubiläums. Spontan wurde beschlossen, dieses Fest mit einer Fahnenweihe durchzuführen. Vom Gau Türkheim wurde uns die Durchführung des 17. Gauschießens übertragen. Diese Veranstaltung wurde mit einer Festwoche vom 19. bis 28. Juli 1968 gefeiert. Die Beteiligung der Schützen aus dem Gau war sehr groß und erreichte für die damalige Zeit eine Rekordbeteiligung von 656 Teilnehmern, eine bis dahin nie erreichte Zahl. Die Fahne wurde nach einem Entwurf unseres Ehrenschützenmeisters Franz Staimer bei einer Firma in Würzburg für 3000 DM angefertigt.

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Die Weihe dieser Fahne wurde von Pfarrer Herbert Brazdil in sehr feierlicher Weise im Rahmen eines Festgottesdienstes im Zelt geweiht. Schützenkamerad Johann Kubelka übernahm von der Fahnenbraut Marianne Mayer die neugeweihte Fahne zur fortwährenden Betreuung. Dieses Fest zählte bis dahin wohl als eines der größten des Vereines und unseres ganzen Dorfes.

Da im Laufe der Zeit das bisherige Schießlokal bei August Rauch aus Platzgründen und anderweitiger Belegung nicht mehr zur Verfügung stand, wurde uns von der Gemeinde in dankenswerter Weise im Untergeschoß der Turnhalle ein Raum zur Verfügung gestellt.  Dieser wurde in vielen freiwilligen Arbeitsstunden der Mitglieder zu einem zweckmäßigen Schützenheim ausgebaut und konnte im Sommer 1976 bezogen werden. Größere Veranstaltungen und Zusammenkünfte fanden weiterhin in der Bahnhofsgaststätte statt. 

Am 29. März 1981 veranstaltete der Verein das „Kartei der Not“-Schießen. Mit vereinten Kräften hatte man die Turnhalle zu diesem Zweck hergerichtet und es hatte sich gelohnt. 102 Schützen beteiligten sich daran und erschossen den stolzen Betrag von 3000,– DM.

 

Bei der Generalversammlung am 24. April1983 wurde über die Satzung und die Gründung eines eingetragenen Vereins abgestimmt. Die Neuwahlen brachten einen Vorstandswechsel mit sich. Nach 29 Jahren an der Spitze des Vereines wurde Hubert Lang von dem „Jungfuchs“ Egon Kubelka abgelöst. In Anerkennung seiner Verdienste wurde Lang zum Ehrenvorstand ernannt.

Dieser Generationswechsel brachte der damaligen Vorstandschaft einige Probleme mit sich. Aber mit Sachverstand, Ehrgeiz und einem guten Einfühlungsvermögen eroberte sich Egon Kubelka jeglichen Respekt, der nötig war, um den Verein zu führen.

Niemand ahnte damals, dass diese Amtszeit 20 Jahre andauern sollte. Unter seiner Führung entstand dann im Sommer 1995 der An- und Ausbau des neuen Schützenheimes. Ein ehrgeiziges Vorhaben, das durch den persönlichen Einsatz von Egon Kubelka und einem perfekten Management in kürzester Zeit so gut gelang.

Auf der Generalversammlung am 26. Januar 2003 wurde Egon Kubelka auf eigenen Wunsch von Georg Frank jun. abgelöst, der seitdem das Amt des 1. Schützenmeisters, wie schon seine Vorgänger im Amt, gewissenhaft und mit Umsicht ausübt.

Unter der Führung von Georg Frank fand dann im Februar 2004 auch das zweite „Kartei der Not“-Schießen statt. Bei einer Beteiligung von 122 Schützen konnte der Verein den stolzen Betrag von 1200,– Euro als Spende an das Hilfswerk weiterreichen.

Das Vereinsleben wird geprägt und belebt durch zahlreiche Veranstaltungen das ganze Jahr hindurch. Anfang und Höhepunkt im Vereinsjahr ist das Königsschießen mit Proklamation der neuen Schützenkönige.

Eine Abwechslung in die freitäglichen Schießabende bringt das Zimmerstutzenschießen, bei dem unsere alten Waffen wieder zum Einsatz kommen und das man schon am lauten Knallen und am Geruch des Schießpulvers erkennen kann.

Besonders lustig finden unsere zahlreichen Jungschützen das Osterschießen, wenn eine Woche vor Karfreitag anstelle auf Scheiben auf unzählige, ausgeblasene, gefärbte und mit Nummern oder Nieten versehene Eier gezielt werden darf.

Ende Mai werden dann beim Schlussschießen die Pokale des vorangegangenen Pokalschießens verteilt und bei einem zünftigen Grillabend klingt die Schießsaison aus.

Beim Gauschießen 2008 in Wiedergeltingen waren die Ettringer Schützen wieder gut vertreten. Vor allem unsere Jungschützen erreichten gute Platzierungen. Sechs Schützen qualifizierten sich zur Teilnahme am Finalschießen.

In der Sommerpause findet seit den 80er Jahren wieder das traditionelle Sternschießen am Felderhof statt. Seit einigen Jahren organisieren die Jugendleiter am Samstag zuvor den Sommerbiathlon, der sich immer größerer Beliebtheit erfreut und allen Jungschützen aus dem ganzen Gau großen Spaß bereitet. Dieses Jahr sind erstmals auch alle Ettringer Vereine dazu eingeladen.

Im Oktober beginnt dann mit dem Eröffnungsschießen wieder die offizielle Schießsaison. Fast zeitgleich starten auch die Rundenwettkämpfe, zu denen man das wöchentliche Training gut gebrauchen kann.

Bei der Preisverteilung des Klausenschießens schaut dann auch der Nikolaus vorbei und verteilt seine Päckchen. Das Kalenderjahr wird dann mit dem Weihnachtsschießen abgeschlossen, bei dem auf kleine, mit Nummern versehene Päckchen, die am Christbaum hängen, gezielt werden darf.

In diesem Streifzug ist es natürlich nicht möglich, alle Begebenheiten, die sich in 140 Jahren Vereinsgeschichte ereignet haben, darzustellen. Da gäbe es von vielen Königsproklamationen, Gau- und Schützenbällen, Festumzügen, Vereinsausflügen, Sternschießen und anderen internen Festen zu berichten, ohne die ein intaktes Vereinsleben wohl nicht denkbar wäre.

Nun feiert der Schützenverein sein 140-jähriges Gründungsjubiläum. Es waren ereignisreiche, schöne, aber auch schwere Zeiten, die dank der Treue, Opferbereitschaft und Kameradschaft der Vereinsmitglieder bewältigt wurden.

An dieser Stelle deshalb ein herzliches „Vergelts Gott“ allen ehemaligen und derzeitigen Mitgliedern. So bleibt nur noch der Wunsch aller Schützinnen und Schützen, dass der Verein auch die nächsten Jahrzehnte und Generationen hindurch in Eintracht und Frieden weiter bestehen möge.

Diese Chronik wurde zusammengestellt

unter Verwendung der anlässlich des 110-jährigen Gründungsjubiläums

von Ehrenvorstand Hubert Lang zusammengetragenen Vereinsgeschichte,

aus der 2007 verfassten Chronik unseres langjährigen Schriftführers und Ehrenmitglieds Georg Lang und zuletzt ergänzt von Martina Kögel

anlässlich des 140-jährigen Gründungsjubiläums.